(Un)Professionell?

Ich habe in den letzten Wochen viel Zeit damit verbracht, Artikel über das Veröffentlichen von Büchern und alles was dazugehört zu lesen. Dabei bin ich vor Kurzem auf einen Artikel gestoßen, der einige Richtlinien gab, wie man sich als Autorin verhalten sollte. Der hauptsächliche Ratschlag war, dass man sich immer kompetent und professionell geben sollte. Man darf sich keine Unsicherheit anmerken lassen, sondern muss immer selbstsicher auftreten – auch (oder vielleicht vor allem) online.

Lange Zeit habe ich nun darüber nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, mich nicht daran zu halten. Ich bin keine professionelle Autorin, ich habe nie zuvor ein Buch veröffentlicht. An dem Punkt, an dem ich gerade bin, bin ich nur angelangt mit der Unterstützung vieler lieber Menschen. Manchmal erschrecke ich mich immer noch vor meiner eigenen Courage und jeden Tag tauchen neue Fragen zur Veröffentlichung auf.
Was nicht heißt, dass ich uninformiert oder unfähig bin. Aber ich habe keine Lust, mich zu verstellen, damit meine (hoffentlich zukünftigen) Leser denken, ich sei professionell.

Also, hier mein Geständnis:
Die Hälfte der Zeit frage ich mich immer noch, wie ich überhaupt hier hingekommen bin, wie ich das alles geschafft habe, und vor allem, wie das alles weitergeht. Alles, was ich weiß, habe ich mir in mühseliger Kleinarbeit angeeignet und ohne eine gewisse Gruppe auf Facebook und die wundervollen Ratschläge anderer Autorinnen, wäre ich wahrscheinlich immer noch auf der Suche nach Richtlinien zur Formatierung eines Buches. Und ich werde nicht so tun, als sei ich professionell, wenn ich mich manchmal immer noch absolut hilflos und überwältigt fühle.

Professionalität um jeden Preis? Nein Danke!

Authentizität? Auf jeden Fall!

Ein kleiner Einblick in „Machtlos“

Das Gute daran, wenn man das Verlagsangebot abgelehnt und sich für das Indie-Autorinnen Dasein entschieden hat? Man darf Ausschnitte des Buches mit anderen teilen 🙂

Deshalb hier die ersten paar Abschnitte aus meinem Buch, damit ihr schonmal „reinschnuppern“ könnt.

„Dreizehn Minuten.
Solange saß ich schon hier und wartete.
Dreizehn quälend lange Minuten, in denen ich über meine eigene Dummheit und Naivität nachdenken konnte.
Hatte ich wirklich geglaubt, in einem Onlineportal namens hexe-heute.net jemanden kennenzulernen? War ich wirklich so verrückt zu hoffen, Freundinnen zu finden?
Ich schnaubte verächtlich und schüttelte den Kopf, bevor ich nach meiner Handtasche griff und von meinem Hocker an der Bar heruntersprang. Ich blickte zur Bedienung, um ihr mitzuteilen, dass ich zahlen wollte, doch sie hob ihre Hand und bedeutete mir, zu warten. Seufzend glitt ich zurück auf den Hocker und stützte meine Ellbogen auf die Theke. Dann ließ ich meine Stirn in meine Hände gleiten und starrte auf das dunkle Holz.
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie jemand durch die Tür hinter der Bar den Raum betrat und mit der Bedienung sprach. Sie lachte laut und ich verzog das Gesicht. Wieso hatten heute alle Spaß, nur ich nicht?
Es war Samstagabend und ich war erbärmlich.
Oh gut, dachte ich. Selbstmitleid hilft dir sicher weiter.
„Was kann ich für dich tun?“, fragte eine männliche Stimme plötzlich direkt neben mir.
„Kein Interesse“, murmelte ich, ohne den Kopf zu heben, machte jedoch eine wegwerfende Bewegung mit meiner Hand, um zu zeigen, dass ich meine Ruhe haben wollte, falls meine Worte dies nicht klar genug rüberbrachten.
„Schlechter Abend?“, fragte er und ich konnte ein Lächeln in seiner Stimme hören.
„Schlechtes Jahr“, murmelte ich, bevor ich mich selbst davon abhalten konnte. Dann presste ich entsetzt meine Lippen aufeinander und senkte mein Gesicht noch tiefer.
Vielleicht hatte er mich nicht gehört?
Diese Hoffnung starb, als er leise lachte.
„Was kann ich für dich tun?“, fragte er erneut und nun hob ich genervt den Kopf.
„Ich habe wirklich kein Interesse an …“, die Worte blieben mir im Halse stecken, als ich ihn sah. Nicht, weil er umwerfend aussah, was er tat, mit seinen funkelnd blauen Augen, goldblonden Haaren und vollen Lippen. Sondern weil auf seinem schwarzen T-Shirt, welches die Konturen seines muskulösen Oberkörpers perfekt umarmte, das Wort Underworld zu lesen war, der Name des Clubs, an dessen Bar ich gerade saß. Er war offensichtlich die Ablösung der soeben verschwundenen Bedienung.“

Was mich das Schreiben gelehrt hat …

… Bescheidenheit.

Es war schon ein seltsames Gefühl, meine Geschichte zum ersten Mal aus den Händen zu geben, sie an Testleserinnen zu verschicken. Als die ersten Kapitel versendet waren, war ich ein nervliches Wrack – ernsthaft! Du sitzt nutzlos zu Hause und kannst nur noch hoffen, dass du keinen absoluten Müll fabriziert hast.

Dann kam die erste Antwort und glücklicherweise war sie sehr positiv. Ein Teil der Anspannung fiel von mir ab, aber das nächste Problem tauchte natürlich direkt auf. Denn plötzlich wollten andere Menschen mit mir über meine Charaktere sprechen. Und das war das seltsamste Gefühl überhaupt.
Bis zu dem Zeitpunkt hatte die Geschichte mitsamt aller Personen nur in meinem eigenen Kopf existiert. Nun kannten Fremde „meine“ Ebby und „meinen“ Jayden und hatten Meinungen und Fragen und Anmerkungen. Es war schwierig und wundervoll zugleich und ich kann ehrlich sagen, dass mein Buch ohne das Feedback meiner hervorragenden Testleserinnen nichtmal halb so gut geworden wäre.

All die Kritik und die Verbesserungsvorschläge haben mich bescheidener gemacht – aber auch selbstbewusster. Denn ich habe verstanden, dass Fehler nicht bedeuten, dass mein gesamtes Werk schlecht ist. Und ich habe gelernt, dass die Hilfe anderer unverzichtbar ist.