Book Hangover – oder: Die Zeit nach der Veröffentlichung

Seit ich mein Debüt veröffentlich habe, leide ich an etwas, das ich wohl nur als „Book Hangover“ bezeichnen kann.

Die letzten Monate habe ich jeden Tag an meinem Buch gearbeitet, auch wenn es manchmal nur ein paar Minuten waren. Ständig habe ich mich in meinem Kopf mit der Geschichte beschäftigt, habe Sätze geändert und komplette Szenen umgeschrieben. Ich habe in meinem Kopf Konversationen mit meiner Protagonistin geführt und mich manchmal geschämt, was ich der armen Ebby alles angetan habe und mich gleichzeitig für sie gefreut, weil sie Jayden gefunden hat. Die beiden waren immer da, in meinen Gedanken. Und das sind sie jetzt auch noch. Aber ich kann nichts mehr ändern, nichts mehr verbessern oder umschreiben. Und ich fühle mich absolut nutzlos.

Ich ertappe mich dabei, dass ich einfach ins Leere starre und über meine Story nachdenke, oder sinnlos auf meine Webseite schaue. Zum Glück gibt es Netflix und Amazon Video, und die Winchesters sind immer für eine Ablenkung gut. Oder Jess, Nick, Schmidt und Winston 🙂 Jap, ich bin ein Serienjunkie, und ich schäme mich noch nichtmal dafür!

Es wird wohl Zeit, dass ich die Fortsetzung überarbeite. Und ja, sie liegt schon hier, wohlbehütet auf meinem Computer.

 

(Un)Professionell?

Ich habe in den letzten Wochen viel Zeit damit verbracht, Artikel über das Veröffentlichen von Büchern und alles was dazugehört zu lesen. Dabei bin ich vor Kurzem auf einen Artikel gestoßen, der einige Richtlinien gab, wie man sich als Autorin verhalten sollte. Der hauptsächliche Ratschlag war, dass man sich immer kompetent und professionell geben sollte. Man darf sich keine Unsicherheit anmerken lassen, sondern muss immer selbstsicher auftreten – auch (oder vielleicht vor allem) online.

Lange Zeit habe ich nun darüber nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, mich nicht daran zu halten. Ich bin keine professionelle Autorin, ich habe nie zuvor ein Buch veröffentlicht. An dem Punkt, an dem ich gerade bin, bin ich nur angelangt mit der Unterstützung vieler lieber Menschen. Manchmal erschrecke ich mich immer noch vor meiner eigenen Courage und jeden Tag tauchen neue Fragen zur Veröffentlichung auf.
Was nicht heißt, dass ich uninformiert oder unfähig bin. Aber ich habe keine Lust, mich zu verstellen, damit meine (hoffentlich zukünftigen) Leser denken, ich sei professionell.

Also, hier mein Geständnis:
Die Hälfte der Zeit frage ich mich immer noch, wie ich überhaupt hier hingekommen bin, wie ich das alles geschafft habe, und vor allem, wie das alles weitergeht. Alles, was ich weiß, habe ich mir in mühseliger Kleinarbeit angeeignet und ohne eine gewisse Gruppe auf Facebook und die wundervollen Ratschläge anderer Autorinnen, wäre ich wahrscheinlich immer noch auf der Suche nach Richtlinien zur Formatierung eines Buches. Und ich werde nicht so tun, als sei ich professionell, wenn ich mich manchmal immer noch absolut hilflos und überwältigt fühle.

Professionalität um jeden Preis? Nein Danke!

Authentizität? Auf jeden Fall!

Was mich das Schreiben gelehrt hat …

… Bescheidenheit.

Es war schon ein seltsames Gefühl, meine Geschichte zum ersten Mal aus den Händen zu geben, sie an Testleserinnen zu verschicken. Als die ersten Kapitel versendet waren, war ich ein nervliches Wrack – ernsthaft! Du sitzt nutzlos zu Hause und kannst nur noch hoffen, dass du keinen absoluten Müll fabriziert hast.

Dann kam die erste Antwort und glücklicherweise war sie sehr positiv. Ein Teil der Anspannung fiel von mir ab, aber das nächste Problem tauchte natürlich direkt auf. Denn plötzlich wollten andere Menschen mit mir über meine Charaktere sprechen. Und das war das seltsamste Gefühl überhaupt.
Bis zu dem Zeitpunkt hatte die Geschichte mitsamt aller Personen nur in meinem eigenen Kopf existiert. Nun kannten Fremde „meine“ Ebby und „meinen“ Jayden und hatten Meinungen und Fragen und Anmerkungen. Es war schwierig und wundervoll zugleich und ich kann ehrlich sagen, dass mein Buch ohne das Feedback meiner hervorragenden Testleserinnen nichtmal halb so gut geworden wäre.

All die Kritik und die Verbesserungsvorschläge haben mich bescheidener gemacht – aber auch selbstbewusster. Denn ich habe verstanden, dass Fehler nicht bedeuten, dass mein gesamtes Werk schlecht ist. Und ich habe gelernt, dass die Hilfe anderer unverzichtbar ist.